Die Sprache deines Kindes verstehen
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Eine Frage, die viele Eltern stellen

Warum will mein Kind plötzlich nicht mehr in die Kita?

Weil das, was dein Kind in der Eingewöhnung gelernt hat, noch jung ist. Es weiß, dass du wiederkommst. Aber dieses Wissen trägt in den ersten drei Jahren noch nicht in jeder Lage, und nach zwei Wochen zu Hause muss es neu gefunden werden. Das Weinen am Morgen heißt nicht, dass die Eingewöhnung misslungen ist. Es heißt, dass dein Kind gerade noch einmal übt.

Für Eltern ist das schwer, weil es sich anfühlt wie ein Schritt zurück, den man sich gerade nicht leisten kann.

Es lief doch schon so gut

Viele Eltern kennen diesen Satz. Die Eingewöhnung hat geklappt, ein, zwei Monate lief alles, das Kind hat morgens gewinkt und war weg. Dann kam eine Erkältung, zwei Wochen zu Hause, viel Nähe, viel Sofa. Und am ersten Morgen danach klammert es sich an deinem Bein fest, weint an der Garderobe, und die Erzieherin nimmt es dir vom Arm, während es nach dir ruft.

Du gehst, weil du gehen musst. Im Auto sitzt du einen Moment einfach nur da. Bei der Arbeit kommst du nicht an, um elf schaust du aufs Handy, ob die Kita angerufen hat. Dazu kommen die Blicke an der Garderobe, die anderen Kinder, die einfach hineingehen, und die Fragen, die sich in dir drehen: Habe ich es zu früh abgegeben? Ist es die falsche Kita? Und wenn du ehrlich bist, auch ein Stück Erleichterung, als die Tür zu ist, und gleich danach das schlechte Gewissen darüber.

Was in deinem Kind gerade passiert

Zwischen einem und drei Jahren baut ein Kind in sich ein Bild auf: Mama und Papa gehen, und sie kommen wieder, auch wenn ich gerade traurig bin. Dieses innere Bild ist in diesem Alter noch jung. Wenn alles ruhig läuft, trägt es. Unter Belastung, nach einer Krankheit, bei Müdigkeit, nach einer Veränderung zu Hause, trägt es noch nicht zuverlässig. Dann braucht das Kind dich wieder ein Stück mehr, um sich sicher zu fühlen.

Dazu kommt, wie ein junges Gehirn arbeitet. Es versucht ständig vorherzusagen, was als Nächstes kommt. Stimmt die Vorhersage, kann es sich entspannen. Zwei Wochen lang hieß die Vorhersage: Ich bin zu Hause, Mama ist da. Jetzt steht dein Kind wieder in der Kita, und nichts davon stimmt mehr. Die Alarmzentrale im Gehirn springt an, und das Weinen ist ihr Ausdruck. Es ist die Sprache, in der ein Kind sagt: Ich muss mich hier erst wieder zurechtfinden.

Und noch etwas, das Eltern oft entlastet: In einer Untersuchung waren Kinder, die beim Abschied weinten, nicht gestresster als Kinder, die ruhig blieben. Das Weinen zeigt, wie dein Kind sich ausdrückt, und nicht, wie sehr es leidet.

Warum Erklären am Morgen oft nicht hilft

Der erste Impuls ist, zu trösten, zu erklären, noch einmal zu bleiben. Und je länger der Abschied dauert, desto mehr Zeit bekommt die Alarmzentrale. Worte erreichen sie kaum, denn der Teil des Gehirns, der Erklärungen versteht, arbeitet in der Angst am schlechtesten.

Der zweite Impuls ist, heimlich zu gehen, wenn das Kind gerade abgelenkt ist. Das erspart die Tränen an der Tür, aber die Vorhersage, die dein Kind daraus lernt, ist eine schwierige: Mama kann jederzeit verschwinden. Dann wird es am nächsten Tag genauer aufpassen.

Ich sehe die ersten Jahre gern als Expedition. Es gibt Rückschläge, und manchmal muss man ein Stück zurück zur Basisstation, um danach weiterzukommen. Der Rückfall nach einer Krankheit ist so ein Stück zurück. Er gehört zum Weg dazu.

Was du morgen früh versuchen kannst

Mach den Abschied kurz und jeden Tag gleich. Dieselben Worte, dieselbe Reihenfolge: Jacke an den Haken, Übergabe an dieselbe Erzieherin, ein Satz wie „Ich bringe dich zu Frau Müller, und nach dem Mittagessen hole ich dich wieder ab.“ Dann geh, und komm nicht noch einmal zurück. Für ein junges Gehirn ist Wiederholung das, was Sicherheit gibt.

Sprich mit der Erzieherin ab, ob du dein Kind ein paar Tage lang etwas früher abholst und das dann Schritt für Schritt wieder ausdehnst. So kann es die Vorhersage „Mama kommt wieder“ in kleinen Portionen neu lernen.

Und fass am Abend in Worte, was passiert ist: „Heute Morgen war es schwer, du hast geweint. Dann hat Frau Müller dich auf den Arm genommen, und ich bin wiedergekommen.“ Dein Kind versteht noch nicht jedes Wort. Aber es hört deine Ruhe, und mit der Zeit werden aus deinen Worten seine eigenen Zusammenhänge.

Für dich selbst: Verabrede mit der Kita, dass du eine kurze Nachricht bekommst, sobald dein Kind sich beruhigt hat. Dann hängt nicht der ganze Vormittag an dem Bild von der Garderobe. Bei den meisten Kindern ist es nach wenigen Minuten gut.

Ob das bei euch trägt, kann ich von hier aus nicht sagen. Jede Familie ist anders, und genau das ist der Punkt.

Wann es sich lohnt, gemeinsam hinzuschauen

Wenn sich die Morgen über Wochen nicht verändern, wenn dein Kind auch zu Hause anders wird, schlechter schläft, mehr klammert, weniger isst, oder wenn du merkst, dass dich dieser Morgen jeden Tag auffrisst, dann ist das keine Frage von mehr Durchhalten. Dann lohnt es sich, den Blick zu weiten: auf den ganzen Tag, auf das, was sich zu Hause gerade verändert hat, auf das, was dein Kind mit seinem Weinen vielleicht noch sagen will.

Genau das ist meine Arbeit. Ich schaue mit dir gemeinsam auf das Verhalten deines Kindes und übersetze, was es damit sagen will. Das ist keine Psychotherapie deines Kindes, sondern eine Begleitung für dich als Elternteil.

Wenn du magst, buch dir ein kostenloses Herzgespräch. Ein ruhiges Gespräch, in dem wir schauen, worum es bei euch gerade geht.

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Siehe auch: Warum wird mein Kind abends so wütend? · Warum kommt mein Kind abends immer wieder aus dem Bett? · Warum hat mein Kind morgens Bauchweh vor der Schule?

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